Welpenspielgruppe Und Halligalli Im Laufstall – Tolle Sache, Oder?

Das Jahr hat gerade gewechselt und die ersten neuen Hunde-Erdenbürger ziehen in ihre künftige Heimat zu ihren neuen Menschen ein. Als frischgebackene und verantwortungsbewusste „Erziehungsberechtigte“ eines kleinen Hundekindes möchte man ja dann auch alles richtig machen. Von Freunden, Bekannten, Züchtern oder nach Lesen eines Buches oder Internet-Forums wird gerne ein Rezept für die absolut perfektionierte Sozialisierung genannt: die Welpenspielgruppe. Schließlich soll Hündchen auch gut sozialisiert und später im Erwachsenenalter ein TOP Hund sein, der aufs Wort gehorcht, den man bedenkenlos frei ohne Leine laufen lassen kann, den man überall mit hinnehmen kann, der keine anderen Hunde schreddert und perfekt in unseren ruhelosen Alltag reinpasst. Also schnell zur Anmeldung bei der nächstbesten Welpenspielgruppe.

Nach Absolvierung der Welpenspielgruppe ist man auch noch brav in die Junghundegruppe mit Hündchen gegangen, hat keinen Termin ausfallen lassen und wundert sich umso mehr, dass nach oder während der Pubertät der tierische Begleiter zu jedem Hund, den er am Horizont sieht, hinrennt, wahlweise garstig ankläfft, das Fell stellt, die Zähne fletscht oder sich bei Hundebegegnungen auf der Straße hinter seinem Frauchen versteckt. Die Fragezeichen werden immer größer, weil das Verhalten keine kurze Laune ist, sondern bleibt oder sogar noch schlimmer wird. Da ist guter Rat teuer. Wenn der Leidensdruck groß genug ist, nimmt man den Telefonhörer in die Hand und meldet sich bei einem Hundetrainer mit den Worten: „Mein Hund findet ANDERE HUNDE SIND DOOF!“

Für uns als Hundetrainer gehören solche Szenarien zum Alltag. Nicht alle, aber erschreckend viele Hunde, die bei uns mit einer sogenannten Artgleichenaggression landen, haben ihr Problemverhalten in einer schlecht geführten Welpenspielgruppe erlernt. Also was ist hier falsch gelaufen?

Nun, betrachten wir das Ganze doch einmal aus Hundesicht. Der Welpe kommt in eine gemischte Welpenspielgruppe, wo sich weitere Hundekinder in allen Größen und Couleur tummeln. Da gibt es frühreife Kollegen, die schon wissen, wie gerammelt wird, richtige Draufgänger, die schüchternen Sensibelchen und die “Normalo”-Welpen. Nehmen wir zum Beispiel mal das Sensibelchen und den Draufgänger heraus und schauen uns an, was dort falsch gelaufen sein könnte:

In der Spielgruppe wird das Zeichen “Leinen los!” gegeben: Die Hündchen dürfen zu den anderen hin und mit denen spielen. Nach anfänglichem, vorsichtigen Beschnuppern ist nach relativ kurzer Zeit richtig HALLIGALLI IM LAUFSTALL angesagt. Unser Sensibelchen steht etwas abseits und schaut sich erstaunt etwas unsicher die Party an. Nun hat es das “Glück” (Ironie off), dass der Draufgänger einen Narren an ihm gefressen hat. Dieser hopst die ganze Zeit an ihm rum, wirft ihn um, überrennt und beißt ihn. Sensibelchen liegt auf dem Rücken, wehrt sich, so gut es kann. Als es die Schnauze voll hat, läuft es zu seinen Menschen, um sich Unterstützung zu holen und springt Hilfe suchend an seinen Frauchen hoch. Da bekommt es leider eine Absage: “Ne, ne, spiel’ mal schön weiter!“ Sensibelchen versucht sich hinter Herrchen zu verstecken und wird lachend wieder ins Getümmel geschoben. Tja, und da wird es dann irgendwann einmal das machen, was ja eigentlich von einer Welpenspielgruppe gewollt ist: es regelt das. Entweder, wie es mit solchen Situationen in Zukunft umgeht oder, wenn doch etwas an verzweifelten Mut zusammenkommt, mit dem Draufgänger direkt. Es beißt diesen in den Nacken, um ihn festzuhalten, verkriecht sich wahlweise, wenn der Draufgänger in seine Nähe kommt oder rennt um sein Leben.

Was haben nun Sensibelchen und Draufgänger gelernt? Sensibelchen hat gelernt, ANDERE SIND HUNDE SIND voll DOOF und meine Menschen haben mir in der für mich brenzligen Situationen nicht geholfen, also muss ich mir selber helfen und das regeln. Der Draufgänger hat dagegen gelernt, er kann ohne Probleme schwächere Hunde mobben und kommt bei den Raufereien als klarer Sieger hervor. ATTACKE! Hinzu kommt, dass er einen tollen Mix aus Glückshormonen in die Blutbahn eingeschossen bekommt und solche Hochmomente echt gerne und so oft wie möglich wieder erleben möchte.

Was wirklich DOOF ist: Diese Szenen haben sich in der sensiblen Zeit, der Präge- und Sozialisierungsphase abgespielt, und sind durch die mehrfachen Treffen auch noch schön generalisiert worden. Denn was in dieser Phase richtig verrutscht, lässt sich fast nicht mehr reparieren, sondern nur noch managen – ein Hundeleben lang. Was noch DOOFER ist: Das alles sind keine neuen Erkenntnisse sondern man findet solche Beiträge und Artikel schon seit über 10 Jahren im Netz und in der Fachpresse. Manchmal geht deren Aussage im Trend etwas mehr zum Spielen und dann wieder etwas weniger, aber die Kernaussagen bleiben gleich.

Hinzu kommt, dass bei diesen Massenveranstaltungen mit ganz vielen Hunden das Stresslevel der tierischen Kursteilnehmer enorm hoch ist. Und wie wir alle wissen – bei großem Stress ist Lernen nicht möglich. Also lernt Hündchen, wenns blöd läuft, leider gar nichts. Das kennen wir auch von uns, denn wenn es mal richtig stressig im Alltag abgeht, vergessen wir sogar die einfachsten Sachen. „Wieso bin ich in die Küche gelaufen? Wie heißt noch einmal der Ansprechpartner von Firma XY?“

Daher: Augen auf bei der Welpenspielgruppenwahl! Hier kann man sich wirklich nachhaltig seinen Hund versauen und gibt auch noch Geld dafür aus. Allerdings sind diese Kosten noch ein Klacks zu denen, die danach entstehen können, weil man die entstandenen Probleme wieder los werden will . Eine Überlegung wäre tatsächlich, eventuell ganz darauf verzichten. Denn wenn man sich einmal die simple Frage stellt “Was sollen Kinder von Kindern lernen?”, dann kommt man möglicherweise zu einer Entscheidung, die eine sinnvollere Sozialisierung einbezieht. Unsere Kinder spielen natürlich auch im Kindergarten, aber da ist immer eine erwachsene Person mit dabei die darauf achtet, dass die Sache nicht aus dem Ruder läuft. Schließlich möchten Sie ja auch nicht, dass Ihr Kind im Kindi vom Zwergenrambo täglich eine mit der Plastikschaufel übergezogen bekommt und die Kinder anfangen, das selber untereinander zu regeln. Mit allen möglichen Folgen und Konsequenzen.

Selbstverständlich soll Ihr Hund lernen, andere Hunde zu verstehen. Er soll auch nicht unnötig in Watte gepackt werden und lernen dürfen, aber dies in einem Umfeld, wo er keine Angst vor seinen Artgleichen haben muss und kein rechtsfreier Raum besteht, in dem es keine Regeln gibt und alles möglich ist.f. Sprich, wo der Hundetrainer auch eingreift oder Sie eingreifen lässt, wenn Ihr Hund gemobbt wird, andere mobbt oder auch rausgenommen wird, wenn er Angst hat und unsicher ist. Wo er auch lernt, dass nicht von ihm verlangt wird, dass er zu jedem Hund hin muss, der ihm beim Spaziergang begegnet. Am allerbesten wäre es auch, wenn ein paar erwachsene ruhige und souveräne Hunde mit dabei wären, von denen sie lernen können, ruhig und souverän zu werden.

Was sollte Ihr Welpe also am Besten lernen?

  • Sie, Ihre Familie und Ihren Alltag kennenlernen
  • Dass er Ihnen, seinem Menschen, vertrauen kann. Sie bieten ihm Sicherheit in jeder Situation, so dass er sich entspannt zurücklehnen kann.
  • Verschiedene Alltagssituationen zu meistern, wie z. B. Auto fahren, Menschen, Enge, verschiedene Geräusche, Untergründe, Tag und Nacht, etc.
  • Kennenlernen von anderen Tieren (Katzen, Kleintiere, Pferde,…)
  • Sozialkontakte mit sozial sicheren, ausgeglichenen und positiv gesinnten Artgleichen unter Ihrer Aufsicht.

 

Wenn Sie sich für diese Punkte professionelle Hilfe bei einem Hundetrainer, in einer Hundeschule oder einem Hundeverein holen möchten: super! Schauen Sie eben nur genau hin, wie dort gearbeitet wird, mit welchen Methoden und ob auf Sie und Ihren Hund auch individuell eingegangen wird. Und wenn es doch eine Welpenspielgruppe sein muss, wie und ob diese von einem Erziehungsberechtigten, sprich einem Trainer, kontrolliert und hundegerecht geführt wird.

Natürlich sind auch wir für Sie und Ihr Hundekind da! Eben mit weniger Halligalli im Laufstall, dafür stressfreier und entspannter für Sie beide. Wir bieten Trainings (Welpenfrüherziehung) für Welpen ab der 10. Woche an, einzeln oder in kleinen Gruppen (bei denen sich die neuen Hundebesitzer auch austauschen können), damit wir eine ideale und stressfreie Lernsituation schaffen können, individuell auf die Bedürfnisse Ihres Hundes (natürlich auch Ihre) eingehen können, in kleinen Einheiten mit ausreichend Pausen dazwischen, teils auch mit älteren Hunden zusammen, von denen Sie und Ihr Hund Hundekommunikation tatsächlich lernen können.

© Sarah Schmid – Petit Loup – Hunde Rebellen

Foto:  Shutterstock, ID 549575962

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